Airbnb ist Sponsor des diesjährigen CityLeaks Festivals – Interview mit Alexander Schwarz

Zum vierten Mal fand dieses Jahr das CityLeaks Festival in Köln statt. Dieses Mal drehte sich alles um das Thema Sharing Cities. Das biennale Festival beschäftigt sich mit der Verbindung von Kunst und Stadt, in diesem Jahr mit Fokus auf Teilen und Tauschen im urbanen Raum. Während des dreiwöchigen Festivals erobern Künstler das öffentliche Köln, verwandeln Hausfassaden in Gemälde und verändern mit Lichtinstallationen und Videoprojektionen die Architektur in der Nacht.

Dieses Jahr war Airbnb Sponsor des CityLeaks Festivals, um den öffentlichen Diskurs über die Zukunft des Teilens im urbanen Raum zu unterstützen.  Das nachfolgende Interview mit Alexander Schwarz, Geschäftsführer Airbnb Deutschland, ist im CityLeaks Journal erschienen:

 

Das CityLeaks Festival wird in diesem Jahr unter anderem von Airbnb gesponsert. Damit wird nicht nur das Festival finanziert, sondern auch das Zusammenkommen vieler verschiedener Menschen und Meinungen sowie der Austausch über Sharing Economy und Urban Commons gefördert.

 

Interview mit Alexander Schwarz, Geschäftsführer Airbnb Deutschland:

„Sharing Cities“ ist der Titel, unter dem das CityLeaks Festival in diesem Jahr stattfindet. Was verstehen Sie unter „Sharing Cities“ und was bedeutet Teilen im urbanen Raum für Sie?

Die starke Urbanisierung und der enorme Zuzug in Großstädte erfordert ganz neue Konzepte und innovative städteplanerische Ansätze. Dabei steht die effiziente Ressourcennutzung im Vordergrund. In einer Welt, in der sich viele Menschen nur noch digital vernetzen, geht es aber auch darum, soziale Netzwerke in Städten wieder stärker zu beleben. Im Fokus steht also nicht nur das Teilen von Gütern, sondern auch das Teilen von Erfahrungen, von Kultur und von Zeit. Das alles vereint das CityLeaks Festival auf eine sehr inspirierende Art.

 

Wie verbinden Sie die Thematik des Festivals mit dem Unternehmen Airbnb?

Airbnb verbindet beides, die effiziente Nutzung von Wohnraum und die Vernetzung zwischen Menschen. Auf Airbnb können Menschen entweder einzelne Zimmer in ihrer Wohnung oder ihre ganze Wohnung, wenn sie beispielsweise im Urlaub oder auf Dienstreise sind, zeitweise vermieten. So wird Wohnraum, der zwischenzeitlich nicht genutzt wird, Reisenden zur Verfügung gestellt. Die Plattform hilft dabei, dass sich Gastgeber und Gast – also Vermieter und Reisender – kennenlernen. Die eigentliche Begegnung aber findet nicht digital, sondern in einem sehr persönlichen Umfeld, der eigenen Wohnung, statt. Und nicht selten verlassen sich die Gäste auf die Tipps ihrer Gastgeber für Geschäfte, Lokale und kulturelle Aktivitäten in der Nachbarschaft. Hier gibt es viele interessante Ansätze, die sich mit dem Engagement von CityLeaks überschneiden.

 

Welche Rolle spielt Digitalisierung beim Teilen?

Die Digitalisierung erleichtert vieles in unserem täglichen Leben. Die technischen Möglichkeiten, die wir heute haben, helfen uns aber vor allem auch miteinander in Kontakt zu treten und machen das Teilen zwischen eigentlich fremden Menschen möglich. Das Fahrrad, Autos oder die eigene Wohnung sind nur drei Beispiele. Bis heute haben über 200 Mio. Reisende bei Airbnb-Gastgebern übernachtet. Die Plattform und vor allem das Bewertungssystem helfen dabei, Vertrauen mit Menschen aufzubauen, die tausende Kilometer weit weg wohnen und aus einer ganz anderen Kultur kommen. Vieles ist aber keine Neuerfindung, sondern nur eine Vereinfachung und Weiterentwicklung, die die Digitalisierung ermöglicht.

 

Was ermöglicht und erfordert der urbane Raum im Zusammenleben?

Räume, in denen viele Menschen eng zusammenleben, erfordern Lösungen, die eine sinnvolle Nutzung der begrenzten Ressourcen ermöglichen. Dabei spielt neben der intelligenten Nutzung von Wohnraum auch die Mobilität eine große Rolle. Die veränderten Bedürfnisse der Menschen in Kombination mit technischen Neuerungen führen oft zu ganz neuen Möglichkeiten, von denen eine Stadt dann wiederum profitiert. Nehmen wir China als Beispiel – ein Land, das aufgrund der starken Urbanisierung umdenken muss und neue innovative Stadtplanungskonzepte braucht. Heute gibt es in den großen Städten tausende von Leihfahrrädern, die helfen, den Verkehr und den Smog zu reduzieren.

 

Wie könnten zukünftige Modelle für ein Miteinander in der Stadt aussehen?

Digitale Technologien helfen Städte dabei, die Herausforderungen wachsender Bevölkerungen zu bewältigen. Vor allem aber können sie auch dazu beitragen, der Anonymität entgegenzuwirken und Menschen wieder näher zu bringen. Das ist auch die Idee hinter “Entdeckungen”, die man neuerdings über Airbnb buchen kann. Der soziale Austausch, das voneinander Lernen und die persönlichen Erfahrungen tragen zu einem gesunden Miteinander in einer Stadt bei. In meinen Augen wird die sinnvolle Ressourcenteilung – in jeder Hinsicht – immer mehr an Bedeutung gewinnen. Eine weitere wichtige Rolle spielt dabei die Nachhaltigkeit. Nur wenn jeder seinen Beitrag leistet und sich als Teil einer verantwortungsvollen Gemeinschaft sieht, kann eine Stadt, in der immer mehr Menschen leben, funktionieren.

Wie könnte zukünftiges Wohnen aussehen? Kann Home Sharing ein wesentlicher Bestandteil sein?

Die Bedürfnisse der Menschen haben sich stark geändert. Wir leben, arbeiten und reisen heute anders als noch vor ein paar Jahren. Die Mobilität hat stark zugenommen aber wir wollen auch eine immer größere Flexibilität haben. Für Menschen jeglichen Alters und Einkommens bietet Home Sharing schon heute Möglichkeiten, ihr Leben freier zu gestalten. Zudem teilen viele ältere Menschen ihre Wohnung gerne gelegentlich mit Reisenden aus aller Welt, um neue Eindrücke zu bekommen und in andere Kulturen einzutauchen, ohne selbst reisen zu können. Berufstätige und Familien vermieten ihr Zuhause oft, um sich etwas dazu zu verdienen. Vielen ermöglicht das auch, sich weiterhin ihre Wohnung leisten zu können. Und wiederum andere könnten ohne Home Sharing nicht in den Urlaub fahren.

 

Wie arbeitet Airbnb mit Städten zusammen?

Airbnb steht für verantwortungsvolles Home Sharing und arbeitet dafür mit vielen Städten und Regionen auf der Welt zusammen. Beispielsweise informieren wir die Gastgeber und Gäste über die jeweils geltenden lokalen Gesetze. Darüber hinaus teilen wir mit Städten aggregierte Daten, zum Beispiel zur Erhebung von Tourismusstatistiken. Mit vielen Städten und Gemeinden haben wir bereits Partnerschaften. Beispielsweise haben wir mit über 275 Kommunen gemeinsame Vereinbarungen geschlossen, um für sie die jeweiligen Tourismusabgaben bei den Gästen einzuheben und an die zuständigen Behörden auszuschütten. So können wir den administrativen Aufwand für Verwaltung und Gastgeber erheblich verringern.

 

Wie ist die Zusammenarbeit mit der Stadt Köln?

Viele Kölnerinnen und Kölner wollen von Home Sharing profitieren und gelegentlich ihre selbstbewohnte Wohnung vermieten. Für die Stadt bedeutet das auch zusätzliche Einnahmen durch Reisende, die bei Airbnb-Gastgebern übernachten und einige Tage in der Stadt bleiben. Gerne stehen wir für einen Austausch mit Vertretern der Stadt Köln zur Verfügung, um gemeinsam mit der Stadt Home Sharing in Köln zu fördern, damit weiterhin alle Beteiligten von dieser Art des Reisens und Lebens profitieren können.

 

Welche Rolle spielen Nachbarn von Gastgebern und wie werden ihre Anliegen und Beschwerden betreut?

Wie von allen Reisenden erwartet man natürlich auch von den Gästen, die bei Airbnb-Gastgebern wohnen, dass sie sich verantwortungsvoll verhalten und die lokalen Regeln beachten. Mit dem sogenannten “Nachbarschaftstool” bietet Airbnb Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, sich direkt an Airbnb zu wenden, wenn Sie glauben, dass ihr Nachbar Airbnb-Gastgeber ist und Gästeverhalten Anlass zur Beschwerde gibt. So kann Airbnb prüfen, ob die Ursache der Beschwerde tatsächlich in einer Unterkunft zu finden ist, die über Airbnb gebucht wurde, und anschließend im Kontext der Benachrichtigung mit dem Gastgeber in Kontakt treten.

 

Stehen private Hosts und Home Sharing noch im Vordergrund oder entwickelt sich Airbnb eher zu einer Business-Plattform?

Die überwiegende Mehrheit der Gastgeber in Städten sind Home Sharer, also Menschen die ihr Zuhause gelegentlich vermieten. Aber es nutzen auch traditionelle Gastgewerbe, wie beispielsweise Pensionen oder Bed&Breakfasts die Plattform als Vermarktungskanal. Insbesondere Familienbetriebe schätzen, dass sie sich auf Airbnb gegenüber dem Wettbewerb nicht aufgrund eines Provisionswettkampfes, sondern aufgrund von Qualität behaupten können. Zudem werden natürlich auch gewerbliche Ferienwohnungen, insbesondere in Ferienregionen, über Airbnb angeboten. In traditionell nur saisonal ausgelasteten Regionen trägt Airbnb zu einer ganzjährigen Auslastung bei, da auf einem globalen Marktplatz andere Zielgruppen angesprochen werden können als noch vor ein paar Jahren.

 

Was ist Ihrer Meinung nach der Grund für die Entwicklung von individuelleren Alternativen zu Übernachtungen in Hotels?

Die Menschen wollen heutzutage authentischer reisen. Sie möchten nicht anonym eine Stadt bereisen, sondern in die jeweilige Kultur eintauchen, sich mit Einheimischen austauschen und die Stadt durch die Augen eines Einheimischen entdecken. Airbnb stellt für die Reisenden eine Ergänzung zu den bestehenden Angeboten dar.

 

Vorwürfe, dass Airbnb die Mietpreise in den Großstädten in die Höhe treibt werden immer lauter, obwohl Statistiken keine Beweise liefern. Wie stehen Sie dazu?

Durch die Urbanisierung und den starken Zuwachs stehen Städte vor großen Herausforderungen, um bezahlbaren Wohnraum zu erhalten. Airbnb hat keine signifikanten Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt, wie unabhängige Studien zeigen. Aber Home Sharing kann einen positiven Beitrag leisten und Teil der Lösung sein. Denn hierdurch werden Kapazitäten sinnvoll genutzt, die an anderer Stelle eingespart werden können. Wenn beispielsweise in Zeiten starker Nachfrage, wie an Sommer-Wochenenden oder zu Messezeiten mehr Menschen bei Privatpersonen unterkommen, wird weniger Fläche für den Bau neuer Hotels benötigt, die stattdessen als Wohnraum genutzt werden kann. Zu den olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro konnte so auf den Bau von über 250 Hotels verzichtet werden. Fläche, die dann dem Wohnungsbau zur Verfügung steht.

 

Welche Ziele hat Airbnb für die Zukunft?

Airbnb möchte den Menschen besondere Reiseerlebnisse ermöglichen – das steht mehr denn je im Vordergrund. Neben Übernachtungen kann man auf der Plattform inzwischen auch sogenannte “Entdeckungen” buchen. Das sind Ausflüge oder andere Aktivitäten, die von einheimischen Gastgebern angeboten werden. Als Gastgeber bietet man seinen Gästen dabei die einzigartige Gelegenheit, besondere Orte und Menschen in der entsprechenden Stadt kennenzulernen. In Deutschland gibt es “Entdeckungen” bereits in Berlin. Dieses Angebot wird aber auf weitere Städte erweitert, so dass die Reisenden in Zukunft aus einer App heraus ihre Unterkunft und ihre Aktivitäten buchen können.